Tierarztpraxis
Dr. Michael Wolf
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INFORMATION ZU IHREM UND UNSEREM SCHUTZ

Bei Erkältungssymtomen bitten wir Sie, die Praxis nicht zu betreten. Statt dessen nehmen wir Ihr Tier am Eingang entgegen.

Bitte nur Patientenbesitzer von EINEM TIER im Wartezimmer Platz nehmen

Nachfolgende Patientenbesitzer bitte vor der Tür warten

Hunde immer nur mit EINER Begleitperson ins Behandlungszimmer kommen

Vielen Dank für Ihr Verständnis!
Ihr Praxisteam.

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Lämmchen Lilly

Tierärzte sind Kummer gewohnt.

Kummer in Form von karger Freizeit, kalbenden Kühen, die sich nicht an die naturgegebenen, natürlichen Verhaltensweisen halten, Welpen, die wenigstens mit Hilfe des Veterinärs das Licht erblicken wollen usw., usw…

Umso mehr schätzen verantwortungsvolle Tiermediziner da natürlich kompetente Menschen, die sich nicht nur der Tierhaltung verschrieben haben, sondern obendrein noch Ahnung von der Materie haben, mit der sie täglich Umgang haben.

Schafzüchter beispielsweise. Schäfer, die genau wissen, was sie tun, denen das Wohl ihrer Wollwesen wichtig ist und am Herzen liegt.

Und wenn diese Menschen das seit vielen, vielen Jahren pflegen, kann eigentlich kaum etwas schiefgehen und das pastoral geprägte Schäferehepaar kann sich gelegentlich auch einige wenige Tage Urlaub gönnen. Denn da gibt es ja noch die Tochter im Twenalter, die ebenso tierlieb tickt und die fälligen Fütterungen während der Abwesenheit der Eltern gerne übernimmt.

Der kurzen Auszeit am nördlichen Meeresgestade steht also nichts mehr im Wege. Strandspaziergänge, wogende Wellen und feine Fischmahlzeiten im Fischereihafenrestaurant sind angesagt…

Wäre da nicht Schäfchen Schönhilde, jung und zum ersten Mal Mutter werdend, die ob ihrer Unerfahrenheit ein wenig eigene Wege geht. Töchterchen Tonja jedenfalls fällt aus allen Wolken, als sie sich plötzlich einer jäh einsetzenden Lammgeburt gegenübersieht, die viel früher als erwartet auf sie zukommt. Was tun?

Na gut. Man könnte den Tierarzt anrufen, aber in all der Aufregung ist dessen Telefonnummer natürlich nicht parat. Was ziemlich blöd ist, weil Lämmchen Lilly beschlossen hat, nicht wie üblich zuerst mit den Füßen den bequemen Bauch der Mutter zu verlassen, sondern erstmal mit dem Köpfchen neugierig in die neue Welt außerhalb des Mutterkörpers blicken will.

Der Adrenalinspiegel steigt. Nicht nur bei Schaf und Lamm, sondern in allererster Linie bei der unfreiwilligen Hofhebamme…

Die Handynummer der Eltern ist parat, also wird dort angerufen…

Schafe

Szenen- bzw. Standortwechsel. Fischrestaurant am Hafen. Vollbesetztes Lokal. Schäfer und Schäferin befinden sich inmitten gustoorientierter Gäste und genießen Garnelen, Scholle und sonstiges Meeresgetier. Handyläuten. Wer stört?

„Papa, Papa, Schönhilde ist viel zu früh dran und Lilly will mit dem Kopf durch die Wand bzw. zuerst aus dem Bauch. Was mach ich denn jetzt?“

Notsituation. Bis der Tierarzt vor Ort ist, ist alles zu spät. Sofortiges Handeln ist angesagt. Also gibt’s Anweisungen vom Schäferpapa:

„Pass auf, du machst jetzt die Augen zu, denn wenn man nichts sieht, fühlt man besser. Ärmel hochkrempeln und den Kopf des Kleinen in die Gebärmutter zurückschieben…“ Den Gästen am linken Nebentisch fällt die Gabel aus der Hand, die Leute auf der rechten Seite kriegen lange Ohren.

„So. Und jetzt suchst du die Beine und versuchst, sie zu fassen…“
Die Geräuschkulisse im Lokal verstummt, weicht einem betretenen Schweigen. Leistet da ein Gynäkologe ferne Geburtshilfe? Frauen werden blass, Männer kriegen Atemnot…

Der Schäfer kriegt gerade noch raus, „nein, nein, hier handelt es sich nicht um ein Menschenbaby…“, bevor die nächsten Anweisungen folgen.

Im Fernsehen geht sowas als Reality-TV durch, im Fischlokal überdenken die Gäste mittlerweile ihr Dasein ganz neu, in der nächsten halben Stunde wird das Essen auf den Tellern kalt, das Service-Personal steht stumm in der Ecke rum und irgendwie dreht sich plötzlich bei urlaubsverwöhnten Zeitgenossen die Uhr auf eine ganz andere Weise…

Bis plötzlich der erlösende Satz durch das Lokal dringt: „Super, klasse, alles richtig gemacht!“ Mutterschaf und Lammnachwuchs sind wohlauf…

Die Tochter am anderen Ende der Telefonleitung ist unendlich dankbar für den „unglaublichsten, besten, beglückendsten Moment in ihrem bisherigen Dasein“, in dem sie einem anderen Wesen möglicherweise das Leben am seidenen Faden gerettet hat, und die Gäste freuen sich über die Lokalrunde, die der stolze und sehr gerührte Vater von Tochter und jahrelang erfahrene Schafzüchter schmeißt…

Schafe